Gewusst wie!

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Macht der Farben

Schnittmaßnahmen an Gehölzen
Mit Schnittmaßnahmen sind die vielfältigsten Zielsetzungen verbunden, doch ob Aufbau-, Erziehungs- oder Erhaltungsschnitt: allen gemein sind die entstehenden Wunden und Verletzungen. Sie können jedoch den Heilungsprozess Ihrer Pflanzen gezielt unterstützen, indem Sie Hilfe zur Selbsthilfe leisten!

Der Normalfall
Der Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern wird in unseren Gärten üblicherweise im Herbst bzw. Winter durchgeführt. Eigentlich ein eher ungünstiger Zeitpunkt, wenn man bedenkt, dass sich die meisten unserer Pflanzen zu dieser Zeit im Ruhezustand befinden und ihre Widerstands- und Reaktionsfähigkeit stark herabgesetzt ist. Ganz ähnlich geht es uns Menschen: auch unsere Widerstandsfähigkeit sinkt  während der Wintermonate erheblich, was im Allgemeinen unsere Anfälligkeit für Infektionen erhöht - Erkältungskrankheiten haben gerade zu dieser Zeit Hochkonjunktur. Auf unsere Bäume und Sträucher bezogen bedeutet dies, dass die durch Schnittmaßnahmen erzeugten Wunden im Winter langsamer abgeschottet und überwallt werden, so dass Krankheitserreger, zum Beispiel Pilze, oft leichtes Spiel haben.

Der Idealfall
Schnittmaßnahmen sollten im Idealfall während der Vegetationszeit durchgeführt werden, d.h. in der Zeit zwischen März und September. Für „blutende“ Baumarten wie Ahorn, Birke und Walnuß ist zu beachten, Schnitte nicht während des starken Saftdruckes, sondern möglichst in belaubtem Zustand, durchzuführen. Den Gehölzschnitt im belaubten Zustand befürwortet übrigens auch das Regelwerk ZTV-BAUMPFLEGE (zusätzliche technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege), das sich intensiv mit der Baumpflege auseinandersetzt und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht.

Der Ursprung
Wie ist der Gehölzrückschnitt im Winter überhaupt zur „Tradition“ geworden? Der Ursprung liegt schon weiter zurück und ist wohl im (professionellen) Obstanbau und der Landwirtschaft zu suchen – während der Wintermonate diente der Rückschnitt sozusagen als „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, denn die Arbeitskräfte konnten so auch außerhalb der Saison produktiv eingesetzt werden.

Die Ausnahme
Alljährlich im Herbst und Winter zu beobachten sind Schnittmaßnahmen in der freien Landschaft, so z.B. an Straßen. Diese Arbeiten werden in der Regel von den Landesbetrieben, aber auch von den jeweiligen Kommunen durchgeführt.
Das die Schnittmaßnahmen in der freien Landschaft gezielt außerhalb der Vegetationszeit durchgeführt werden, liegt im Bundesnaturschutzgesetz begründet. Dieses verbietet in der Zeit vom 1. März bis 30. September Bäume, Hecken, Gebüsche etc. abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Zulässig sind lediglich schonende Form- und Pflegeschnitte, die der Gesunderhaltung dienen. Auf diese Weise werden die Nist-, Brut-, Wohn- und Zufluchtstätten von Tieren geschützt, wobei das Verbot  verstärkt unserer Vogelwelt zugute kommt, deren Brutgeschäfte oftmals bereits im März beginnen.

Die Konsequenz
Vorweg zur Klarstellung: das Bundesnaturschutzgesetz erstreckt sich primär auf die freie Landschaft. Rückschnittmaßnahmen im Hausgarten können daher auch noch nach dem 1. März durchgeführt werden. Unabhängig hiervon sollten Sie sich vor jedem Rückschnitt, den Sie an Ihren Gartengehölzen im belaubten Zustand durchführen wollen, davon überzeugen, dass dort keine Nist- und Brutaktivitäten stattfinden.
Nicht außer Acht gelassen werden sollte außerdem, dass Kommunen über Baumschutzsatzungen auch private Gehölze (in der Regel Bäume) unter Schutz stellen können. Im Zweifelsfall sollten Sie sich hierzu bei Ihrer Stadtverwaltung erkundigen.

Schnittmaßnahmen an Stauden und Gräsern
Schnittmaßnahmen an Stauden und Gräsern werden meistens kurz vor dem Winter durchgeführt und in der Regel mit ästhetischen Gesichtspunkten begründet.

Doch:
Wenn Sie Ihren Stauden und Gräsern helfen möchten, möglichst unbeschadet durch den Winter zu kommen, sollten Sie den Pflanzenrückschnitt auf das Frühjahr verlegen, denn das welke, von uns oft als recht trostlos empfundene Blattwerk fungiert als wichtiger Winterschutz. Nebenbei helfen Sie damit außerdem vielen Nützlingen, die in den welken Pflanzenteilen überwintern.

Tipps:
Rückschnitt für Zweitblüte

Viele Stauden bringen ohne unser Zutun Nachblüten hervor. Einige müssen erst animiert werden, d.h. der erste Blütenstand muss abgeschnitten werden. Das ist zum Beispiel der Fall bei:
Feinstrahlaster
Helianthella
Katzenminze
Rittersporn
Salbei
Veronica
Darüber hinaus bescheren uns Schafgarbe und Färberkamille, die sich sehr gut für die Vase eignen, permanente Nachblüten, je öfter sie für Sträuße Blüten schneiden.

Rückschnitt für neue Belaubung
Als wahres Energiebündel stellt sich der Frauenmantel dar. Diese Blattschmuckstaude kann nach der Blüte im Juni unansehnlich werden. Dann sollten Sie nicht zögern, die Staude ca. eine Handbreite über dem Boden abzuschneiden. Nach rd. 2 Wochen werden Sie mit  neuem, herrlich frischen Blattwerk belohnt.

 

 
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